Thursday, 28. August 2014 08:00 Uhr Alter: 7 yrs
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Vorbiss, Überbiss, Tiefbiss....

Zahnspange – wieso, weshalb, warum?


"Die wenigsten Zahnfehlstellungen werden in vollem Umfang vererbt, so dass man nicht sagen kann, schau dir deine Eltern an", weiß Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner von der Klinik fĂŒr KieferorthopĂ€die der UniversitĂ€t Marburg. Doch wieso schaut es in manchem Kindermund wie Kraut und RĂŒben aus? Schiefe, zu eng stehende oder lĂŒckige ZĂ€hne bevölkern die MĂŒnder der Kleinen zuhauf. Über 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland tragen Zahnspangen aller Art im Mund.

Die Statistiken zeigen: zahlreiche Zahnfehlstellungen beruhen auf Karies, frĂŒhzeitigem Milchzahnverlust oder Funktionsstörungen, welche mit dem Mundbereich, einer nicht vorhandenen Nasenatmung aber auch mit allgemeinen Haltungsstörungen zusammenhĂ€ngen. Außerdem beeinflussen schlechte Angewohnheiten wie Daumenlutschen und Schnullernuckeln die Entwicklung des Gebisses. Durch das Saugen an einem Widerstand entsteht ein starker Unterdruck, der die Kiefer verformt und die ZĂ€hne in eine falsche Position rĂŒckt. Es sind also oftmals erworbene Anomalien, die erbliche EinflĂŒsse verstĂ€rken können.

Bei allen FĂ€llen von Zahnfehlstellungen ist der Biss nicht korrekt. Das heißt, die obere und untere Zahnreihe trifft sich nicht exakt an ganz bestimmten Punkten, was dazu fĂŒhrt, dass die optimale Kraftverteilung und Funktion nicht mehr gegeben sind. Dabei geht es fast nie um einen einzigen Zahn, der aus der Reihe tanzt, meist sind Ober- und Unterkiefer so geformt, dass die obere Zahnreihe nicht richtig auf die untere passt.

Die hÀufigsten Fehlstellungen

Ist der Biss aus dem Lot, helfen frĂŒhzeitige kieferorthopĂ€dische Maßnahmen, Kiefer und ZĂ€hne wieder gerade zu rĂŒcken. Schiefe ZĂ€hne lassen sich meist gut korrigieren. Muss die Kieferlage behandelt werden, ist die Behandlung aufwendiger. Zu den hĂ€ufigsten Fehlstellungen zĂ€hlen der Überbiss, der Tiefbiss, der Engstand und der Vorbiss. Der Überbiss betrifft mindestens ein Drittel der Bevölkerung. Hier stehen die OberkieferfrontzĂ€hne weit vor den vorderen UnterkieferzĂ€hnen. Kippen die SchneidezĂ€hne dann auch noch schrĂ€g nach vorne, spricht man von den typischen "HasenzĂ€hnen".

Beim Tiefbiss verdecken die oberen ZĂ€hne die unteren so, dass sie nicht mehr zu sehen sind. Beim Vorbiss ist das Gegenteil der Fall. Die unteren SchneidezĂ€hne beißen vor die OberkieferzĂ€hne. Stehen die ZĂ€hne nicht in Reih und Glied, sondern sind gedreht, gekippt oder verschachtelt spricht man von einem Engstand der ZĂ€hne. 

Schiefe ZĂ€hne haben Folgen

Werden Zahnfehlstellungen nicht behoben, stimmt der Biss auf Dauer nicht. Es kann zu einer permanenten Fehlbelastung kommen, die zu Verspannungen, MĂŒdigkeit, Konzentrationsproblemen und Tinnitus fĂŒhren kann. Hat die Zunge nicht genĂŒgend Platz und stĂ¶ĂŸt beim Kauen und Sprechen gegen die ZĂ€hne, sind Sprachprobleme wie Lispeln die Folge.

Um mögliche Fehlstellungen frĂŒhzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln, empfiehlt es sich bei Hinweisen im Rahmen der zahnĂ€rztlichen Kontrolle darauf, Kinder im Vorschulalter zum ersten Mal zum KieferorthopĂ€den zu schicken. Er wird entscheiden, ob bereits eine FrĂŒhbehandlung notwendig ist. Einen zweiten Termin sollte man vereinbaren, wenn das Kind neun Jahre alt ist. In der Regel fĂ€ngt eine umfangreiche kieferorthopĂ€dische Behandlung mit ca. zehn Jahren an und dauert zwei bis drei Jahre.

Quelle: Initiative proDente e.V.